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Aus dem Archiv | Digitalisierung an Hochschulen – Ein Gespräch.

Voraussichtliche Lesezeit: 3 Minuten

Wie sehen die Alltagserfahrungen an Hochschulen aus? Sollte noch mehr für die Digitalisierung an Hochschulen getan werden? Wenn ja, was könnte für Forschende ein strategischer Fahrplan sein?

Mindset, Commitment, Ressourcen – im folgenden Interview geht es darum, wie realistisch Erwartungen hinsichtlich der Digitalisierung an Hochschulen sind. Das Interview aus 2019 mit der Studierenden-Arbeitsgruppe „Digitale Changemaker“ und eScience-Büro-Leiter Michael Wuppermann, geführt von Franz Himpsl, DUZ-Redaktion, verrät mehr zum Thema:

Digitalisierung ist oft nicht einfach

Frau Böckel, Herr Denker, Frau Kern, Sie sind Teil der Arbeitsgruppe „Digitale Changemaker“ des Hochschulforums Digitalisierung. Welche Veränderungen wollen Sie bewirken?

Böckel: Ich habe nach meinem Bachelorstudium ein halbes Jahr in der Verwaltung an der Leuphana in Lüneburg gearbeitet und kenne auch die Perspektive der studentischen Hilfskraft. Als meine Aufgabe sehe ich es an, meine Universität dahin zu bringen, mehr für die digitale Lehre zu tun. Es geht aber nicht darum, mehr Beamer oder Laptops verfügbar zu haben. Mich beschäftigen eher Fragen wie: Wo speichern wir eigentlich unsere Daten? Dabei ist mir auch wichtig, von unseren Studierenden eine kritische Perspektive einzufordern und sie dazu zu befähigen. Allgemein haben wir in der „Changemaker“-Gruppe des Hochschulforums Digitalisierung die Erfahrung gemacht, dass der Bedarf von Lehrenden, Verwaltungen und Universitäten, überhaupt mal mit Studierenden ins Gespräch zu kommen und ein Feedback zu dem zu bekommen, was sie tun, riesengroß ist.

Kern: Das Spannende an unserer Gruppe ist, dass wir Leute haben, die unterschiedlich weit sind: Bachelor, Master, Promotion. Wir tauschen uns über den Ist-Zustand, aber auch über unsere Wünsche in punkto Digitalisierung aus. Die Wenigsten von uns stehen übrigens auf dem Standpunkt „Technik, Technik, Technik“. Ich selber versuche, ein bisschen mehr Nachhaltigkeit in die Debatte zu bringen. Also nicht nur zu sagen: „Hey, wir sind superdigital.“ Sondern auch zu fragen: „Brauchen wir das alles?“ Denn manche neuen Technologien fressen viel Lebenszeit und viele Ressourcen.

Denker: Ich komme von einer kleinen privaten Uni, der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Dort versuche ich, die Digitalisierung aus Studierendensicht zu begleiten. Als „studentischer Digitalisierungsbeauftragte“ habe ich mir zusammen mit Kommilitonen mal genauer die Prozesse angeschaut. Dabei ist uns aufgefallen, dass vieles auf Eigeninitiative basiert. Professoren sagen gerne: „Ich mache das jetzt einfach mal.“ Und auch wir Studenten werden gerne mal dazu aufgefordert, Lösungen selbst zu schaffen. Viele experimentieren im Kleinen herum, aber was fehlt, ist eine übergreifende Strategie, die Digitalisierung in all ihren Facetten abdeckt: die Inhalte, die Formate und die technische Struktur.

Herr Wuppermann, wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar: Sollen Hochschulen die Digitalisierung stärker in ihre Gesamtstrategie aufnehmen?

Wuppermann: Tatsächlich rufen gerade viele nach einer gesonderten Digitalstrategie für ihre Hochschule. Ich war bis vor einem Jahr auch der Meinung, dass das das richtige Mittel sei. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass Digitalität ein zentraler Schwerpunkt jeder Hochschulentwicklung ist und sich dieser Schwerpunkt in der Gesamtstrategie und in den Hochschulentwicklungsplänen finden muss. Dazu braucht es nicht unbedingt ein gesondertes Papier. Vielmehr benötigen wir einen Fahrplan im Sinne von Prioritäten, Zuständigkeiten, Fristen und Zielen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck und nicht alles, was möglich ist, ist gut oder passt zu meiner Hochschule.

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Wuppermann: Die Akteure in den Hochschulen zu stärken, die schon Initiativen vorantreiben und damit kleine Leuchttürme errichten. Es braucht ein Mindset und Commitment aufseiten der Hochschulleitung und entsprechende Ressourcen, zum Beispiel Serverkapazitäten, aber auch Know-how und Kompetenzen bei den Mitarbeitenden. Man sollte das alles nicht zu groß und kompliziert werden lassen, sondern stattdessen in die konkrete Umsetzung von Projekten und Maßnahmen gehen. Das Internet gibt es jetzt seit dreißig Jahren. Und doch empfinden wir vieles, was es mit sich bringt, immer wieder als vermeintlich noch nie dagewesen. Nehmen Sie soziale Medien. Die Idee, dass sich Menschen in Netzwerken zusammenschließen und Informationen teilen, ist eigentlich nicht neu, nur der Modus, wie wir das tun, und die Möglichkeiten, mit denen auch Verantwortung einhergeht, haben sich geändert.

Ob wir es schaffen, mit solchen Technologien einen zielführenden Umgang zu finden, ist meist keine technische Frage.

Michael Wuppermann

[…]

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